null Finnland veröffentlicht Klimastrategie des ICT-Sektors: Zur Bekämpfung des Klimawandels Bits einspannen

Finnland veröffentlicht Klimastrategie des ICT-Sektors: Zur Bekämpfung des Klimawandels Bits einspannen

Press release 09.03.2021 07.29 en

Klima- und Umweltstrategie des ICT-Sektors

Wie kann man die Abwärme von Rechenzentren zum Heizen von Wohnraum nutzen? Wie kann man erreichen, dass in Schubladen verstaubende defekte Mobiltelefone repariert oder mitsamt ihren Wertmetallen dem Recycling zugeführt werden? Wie kann man mit Informations- und Kommunikationstechnologie die Emissionen des Verkehrs und der Industrie reduzieren?

Diese Fragen werden in Finnlands erster Klima- und Umweltstrategie des ICT-Sektors beantwortet, die am 9.3.2021 veröffentlicht wird. In der international wegweisenden Strategie werden die Mittel zusammengefasst, mit denen man den CO2- und ökologischen Fußabdruck des ICT-Sektors verkleinern und die Vorteile der Digitalisierung nutzen kann.

„Unser Ziel ist klar: Finnland strebt mit informations- und kommunikationstechnologischer Kompetenz die Rolle eines Lösers von Klimaproblemen an und erarbeitet Lösungen, die der ganzen Welt zugute kommen“, sagt Verkehrs- und Kommunikationsminister Timo Harakka.

Der ICT-Sektor hat zwei Seiten. Auf der einen Seite verbrauchen Kommunikationsnetze, Rechenzentren und smarte Geräte Strom und Materialien. Der Anteil des ICT-Sektors am weltweiten Stromverbrauch beläuft sich Schätzungen zufolge auf etwa 4–10 Prozent und der Anteil des Sektors an den Treibhausgas-Emissionen auf etwa 3–5 Prozent.

Auf der anderen Seite verfügt der ICT-Sektor aber auch über viel Potenzial zur Emissionsminderung in anderen Sektoren, zum Beispiel im Verkehr. Digitale Dienstleistungen ermöglichen eine intelligente Verkehrssteuerung und heben die Attraktivität des öffentlichen Personennahverkehrs durch Verbesserung der Umsteigeverbindungen. Während der Coronapandemie haben wir in der Praxis sehen können, wie durch Telearbeit und Telekonferenzen Verkehr ersetzt werden kann.

„Dank seiner guten digitalen Infrastruktur und Kompetenz ist Finnland im Jahre 2020 bei der Datenarbeit der reibungslose Übergang zu einem solchen Arbeitsleben gelungen, das weitgehend auf digitalen Begegnungen basiert. Nun wollen wir die Digitalisierung zur Bekämpfung der Klimaerwärmung einspannen. Die Strategie unterstützt das Ziel, dass Finnland im Jahre 2035 kohlenstoffneutral sein wird”, fügt Harakka hinzu.

„Die Strategiearbeit hat eine große Zahl an Akteuren zusammengeführt, die gediegene Kompetenzen und den Willen mitbringen, sich für die Förderung der Umweltfreundlichkeit des ICT-Sektors und die Beschleunigung der positiven Umweltauswirkungen der Digitalisierung auch in anderen Sektoren einzusetzen. Finnischen Akteuren bietet sich nun die Chance, in den internationalen Debatten eine aktive Rolle zur Förderung einer ökologisch nachhaltigen Digitalisierung einzunehmen”, konstatiert Netzwerkleiter Jarno Ilme von der Finnischen Verkehrs- und Kommunikationsagentur Traficom.

Die Klima- und Umweltstrategie des finnischen ICT-Sektors wurde von einer Arbeitsgruppe ausgearbeitet, der außer Vertretern der öffentlichen Verwaltung auch Repräsentanten von Unternehmen, Organisationen, Universitäten und Forschungsanstalten angehörten. Ihren letzten Schliff erhielt die Strategie im Januar 2021 im Ministerium für Verkehr und Kommunikation, und zwar nach einer Gutachtenrunde über den Abschlussbericht der Arbeitsgruppe.

Sechs Etappenziele auf dem Weg zu ökologisch nachhaltiger Digitalisierung

Die Strategie umfasst sechs Ziele sowie die Maßnahmen zu ihrer Erreichung.

1. Hebung der Energieeffizienz der ICT-Infrastruktur und Ingebrauchnahme von kohlenstofffreien Stromquellen

Bei der Planung sowie beim Bau und beim Betrieb von Kommunikationsnetzwerken ist Energieeffizienz anzustreben. Die beim Betrieb von Rechenzentren als Nebenprodukt anfallende Wärme kann in viel höherem Maße als bisher genutzt werden, was den Bedarf an Erzeugung von Heizungsenergie sowie die dabei entstehenden CO2-Emissionen vermindert. Auch durch Investitionen in kohlenstofffreie Stromerzeugung können die Emissionen des ICT-Sektors gesenkt werden.

2. Das Klima schonen durch Datensparsamkeit

Mit wachsendem Dienstleistungsangebot wachsen auch der Datenverkehr und Stromverbrauch. In den finnischen Mobilkommunikationsnetzen werden derzeit pro Einwohner vielfach mehr Daten übertragen als noch zu Beginn der 2010er Jahre. Bei der Planung von Software-Produkten und Dienstleistungen sollte man sich verstärkt darum bemühen, diese möglichst energiesparend zu machen. Wir benötigen Forschung, Heranbildung von kompetenten Kräften und eine bessere Steuerung bei der Beschaffung der Dienstleistungen. Eine Software mit günstigem Anschaffungspreis verlangt eventuell mehr Verarbeitungsleistung, nimmt mehr Ressourcen in Anspruch und erweist sich letztendlich als kostspieliger.

3. Längere Lebensdauer der Geräte, Recycling von Wertmetallen

Die Lebensdauer der Geräte lässt sich schon bei ihrer Planung verlängern. Zusätzlich dazu sollte man die Verbraucher besser über Produktgarantien und Software-Updates sowie über die Möglichkeiten des Recyclings informieren. Bei der Herstellung von Akkus und Displays für Smartphones und Computer werden seltene Metalle benötigt. Man könnte das Recycling zum Beispiel dadurch effektivieren, dass man dem Verbraucher bei der Rückgabe eines alten Geräts einen bestimmten Geldbetrag gutschreibt. Die Strategie sieht vor, dass man auf die Nachhaltigkeit der Gewinnung der Primärmaterialien und auf die Rückverfolgbarkeit der Materialien Einfluss nimmt, und zwar auf nationaler wie auch auf EU-Ebene.

4. Ganzheitliches Bild von den Umweltauswirkungen der Digitalisierung

Die Transparenz, Heterogenität und Verfügbarkeit der Daten über die Klima- und Umweltauswirkungen des ICT-Sektors stellen Herausforderungen dar, national wie international. Wir benötigen miteinander vergleichbare Erkenntnisse über den CO2-Fußabdruck des ICT-Sektors und darüber, wie man mit Informations- und Kommunikationstechnologie auch die Emissionen anderer Sektoren reduzieren kann.

5. Verbraucher über Umweltauswirkungen aufklären

Das Verhalten der Verbraucher hat einen erheblichen Einfluss auf die Umweltauswirkungen des ICT-Sektors. Die Verbraucher interessieren sich für den CO2-Fußabdruck der von ihnen genutzten Dienstleistungen und für die Möglichkeiten, auf diesen Einfluss zu nehmen. Der Zugang zu einem solchen Wissen ist zu erleichtern, und zwar auf verschiedenen Ebenen: vom Basisunterricht an den Schulen bis hin zu Verbraucherkampagnen.   

6. Nutzung von aufsteigenden Technologien im Klima- und Umweltschutz

Neue Technologien wie künstliche Intelligenz, Robotik und automatisierte Systeme wecken die Hoffnung, dass die Klima- und Umweltprobleme gelöst werden können. Künstliche Intelligenz zum Beispiel wird bereits zur Reduzierung des Energie- und Materialverbrauchs genutzt. Bei der Entwicklung von neuen Technologien sollte man auch ein Augenmerk auf deren eigenen Energie- und Materialverbrauch richten.

Was kommt als Nächstes?

Die Strategie soll auf mehreren verschiedenen Ebenen in die Praxis umgesetzt werden, und zwar sowohl im öffentlichen wie im privaten Sektor. Das Ministerium für Verkehr und Kommunikation und die Finnische Verkehrs- und Kommunikationsagentur Traficom werden in Kooperation mit den Interessengruppen die Durchführung der Strategie verfolgen. Zur Unterstützung dieser Tätigkeit wird jährlich ein Forum organisiert.

Weitere Informationen:

Ersuchen um Interviews mit Minister Timo Harakka: Kommunikationsleiterin Susanna Niinivaara, Tel. +358 (0)400 816 187, susanna.niinivaara(at)lvm.fi

Einheitsleiterin Päivi Antikainen, Ministerium für Verkehr und Kommunikation, Tel. +358 (0)50 382 7101, paivi.antikainen(at)lvm.fi, Twitter @PaiviAntikainen

Spezialsachverständige Tuuli Ojala, Ministerium für Verkehr und Kommunikation, Tel. +358 (0)50 563 8130, tuuli.ojala(at)lvm.fi, Twitter @OjalaTuuli

Netzwerkleiter Jarno Ilme, Finnische Verkehrs- und Kommunikationsagentur Traficom, Tel. +358 (0)29 539 0574, jarno.ilme(at)traficom.fi, Twitter @IlmeJarno